Gib ein Ei für den Schwarzmarkt!

Schwarzmarkt Copyright: Carmen Loch

Schwarzmarkt Copyright: Carmen Loch

Menschen laufen vorbei. Manchmal dreht sich ein Kopf nach links, doch die Schritte halten nicht ein und die Verwirrung reicht nicht über die Augen hinaus.

Nicht nur der Blick der Zuschauer ist verschleiert, die Scheibe verschwimmt unter ehemals nassem Mehl-Nebel. Schutz und Klaustrophobie. Die nackte Glühbirne verbreitet schrilles Baustellen-Flair.

Ihr Licht ergießt sich über Paletten mit leeren Hühnereiern. Vermischt mit auch auf dem Boden verteiltem Mehl wird Crêpe draus. Denn was soll man sonst am besten aus Eiern machen? Der schwarz gefärbte Teig gibt in der heißen Pfanne eine wahre Performance ab: langsam wird er fest, oben dunkelblau-anthrazit-lila, einmal in die Luft geworfen und umgedreht: Auf der Rückseite präsentiert sich ein helles Grau. Die Oberfläche wirft Blasen, berührbar, duftend, ein fast perfekter Kreis.

Schwarzmarkt Copyright: Carmen Loch

Schwarzmarkt Copyright: Carmen Loch

Ein fertiger Crêpe kommt auf die Waage, ein Brett über eine Leiter gelegt. Manchmal wird eine Maus angelockt, von dem guten Duft, erkennbar an den Spuren im Mehl. Sonst ist der Crêpe aber nicht zum Essen da, nur einmal hat ein Obdachloser einen bekommen, weil er so großen Hunger hatte. Aber das war dann auch die Ausnahme. Da ist die Künstlerin Carmen schon streng. Sonst könnte sie sich auch ohne den Kunstgedanken im Hinterkopf einfach hinsetzen und etwas backen. Auf dem Boden sitzend empfindet sie sich häufig als Bettler und wurde auch von außen schon damit konfrontiert. Schließlich ist der Bahnhof auch immer ein Obdachlosen-Treff.

Kunst und dreckiger Alltag finden sich hier zusammen und beäugen sich kritisch. Wer aktiv etwas zu dem Projekt „Schwarzmarkt“ beitragen möchte, kann (Bio-)Eier vorbeibringen und sich in den Dialog mit der Künstlerin begeben. Darin klärt sich vielleicht die ein- oder andere Frage und Carmen freut sich über das Interesse. Die Symbolik ist nicht zu übersehen, doch die Künstlerin der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg will nicht missionieren oder belehren. Jeder soll sich selbst ein Bild davon machen. Das ist Arbeit, aber wer die nicht investieren will, wird eben vorbeilaufen und sich wundern, warum es hier so verführerisch nach Crêpes riecht.

Bis Donnerstag, 3. November sitzt Carmen noch in der Vitrine, am 11.11. findet ein Künstlergespräch statt, zu dem jeder eingeladen ist und auch etwas sagen darf.

Johanna Meyr

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