XII. Happy End mit Katzenmusik

Was meinst du, Tobi­as, gehö­ren dann nicht alle Chris­ten mit dazu?“ Ich nicke, weil ich glau­be, dass er es von mir erwar­tet, aber eigent­lich geht es mich ja, weil ich nicht getauft bin, gar nichts an.

Die Kir­che kann und darf sich nicht damit abfin­den, die von ihrer Kom­mu­ni­on Getrenn­ten sich selbst zu über­las­sen oder gar ihr Christ­sein zu über­se­hen. Dann blät­tert er zum Klein­ge­druck­ten im Vor­spann. „1987 haben wir das geschrie­ben, im Hei­li­gen Offi­zi­um die Pflicht erfüllt und in ein paar Tagen Urlaub hier und da ein Vor­trag, das war dann die Kür. Und das hier muss die Quint­essenz gewe­sen sein: So kann man sagen, dass der Begriff Volk Got­tes vom Kon­zil vor allem als öku­me­ni­sche Brü­cke ein­ge­führt wor­den ist.

Bei dem Wort Brü­cke schob ich ihm eine sei­ner Visi­ten­kar­ten zu, die als Lese­zei­chen dien­ten. Mit einer Kral­le habe ich sei­ne Berufs­be­zeich­nung PONTIFEX MAXIMUS mar­kiert. „Eine öku­me­ni­sche Brü­cke bau­en meinst du, Tobi­as? Damit könn­ten wir ja den Kra­ter, den DOMINUS IESUS geris­sen hat end­lich auf­ar­bei­ten. Was meint ihr, da wird sich der Kali­for­ni­er freu­en. Kaum ein­ge­wöhnt und mona­te­lan­ge Tief­bau­ar­bei­ten. Da müs­sen dann aber alle mit­hel­fen.“ sprach er gedan­ken­ver­lo­ren, immer noch ver­tieft in sein Buch, und schließ­lich „Wir haben alle unser Kreuz zu tra­gen mit der Kir­che der Sün­der, die immer wie­der der Rei­ni­gung bedarf, immer wie­der Kir­che wer­den muss. Damit wur­de der Gedan­ke der Reform zu einem ent­schei­den­den Ele­ment des Volk-Got­tes-Begriffs.

Erstaunt und wie nach einem Ent­schluss klapp­te er das Buch auf einen Schlag zu. „Ja das kann man doch heu­te noch lesen! Sicher, da waren wir noch jung, und die Freun­de damals auch. Seit­dem hat sich eini­ges ver­än­dert. Wenn es nur nicht wie­der jemand ver­dreht, sonst wär‘ ja alles für die Katz‘. Ach ihr Kat­zen, eine Last ist die­ses Amt, noch mehr als das letz­te.“ Ich habe Sara ange­schaut, sie hat mich mit gro­ßen gro­ßen Augen ange­schaut: Das ist dei­ne Arbeit. Was ein jun­gen Kater für ein Kätz­chen alles tut… so haben wir die Arbeit geteilt, sie die Zita­te, ich die Geschich­te. Und das alles neben­bei. Alles für den Ratz­in­ger, und zwei Brat­würs­te aus Bam­berg.

Wenn ihr Bil­der seht, wo der Ratz­in­ger, euer Papst Kin­dern begeg­net, wie er die Arme aus­streckt, die spon­ta­ne Erleich­te­rung im Blick, als woll­te er sagen: Her mit den Kin­dern, die tun wir seg­nen, da gibt’s wenigs­tens kei­ne Meu­te­rei! Auch ein Papst ist nur ein Mensch. Und die Kir­che ist noch nicht am Ziel. Auch der Grill ist noch nicht ganz soweit dass wir zu Tisch gebe­ten wer­den. „Das ist wie mit der Thu­ja­he­cke da drau­ßen. Schau­en Sie sich die an.“ „Im Kata­log hat die noch bes­ser aus­ge­se­hen, sag­te der Sekre­tär.“ Und der Ratz­in­ger „Mit der geht es ja mehr rück­wärts als vor­wärts. Mit der Kir­che muss was vor­an­ge­hen, wie es immer vor­an­ge­gan­gen ist.

Gott ist nie­man­des Eigen­tum. Die letz­ten Zita­te hat Sara wirk­lich wild ein­ge­streut, aber er sieht es ja nicht. Dass wir müde und hung­rig sind, das sieht er. „Tobi­as und Sara. So wie ihr in der Bibel zusam­men gefun­den habt, müss­te doch in der Kir­che auch was zusam­men gehen. Jetzt holen wir was Lecke­res vom Grill und lassen’s uns schme­cken. Es ist noch immer alles Wesent­li­che recht­zei­tig ein­ge­trof­fen. Wo ist der ande­re Wein?“ Der Sekre­tär dreh­te die Fla­sche um, Ratz­in­ger liest das Eti­kett. „Sil­va­ner Spät­le­se, ja das ist die urfrän­ki­sche Reb­sor­te, die Essenz der Iro­nie. Und wer sich mit der Ern­te Zeit lässt, wird belohnt. Mit dem Wein ist es wie mit vie­lem ande­ren auch.“

Am abge­ges­se­nen Tisch nach dem Salat und Des­sert und zwei Brat­würs­ten am Kat­zen­tisch, kam aus dem Radio im Nach­bars­gar­ten ein Gesang von Adria­no Cel­en­ta­no her­über­ge­schwappt, dabei hat doch tat­säch­lich unser Ratz­in­ger mit dem Fuß im Takt gewippt und damit wei­ter gemacht als die Stim­me von Gian­na Nan­ni­ni her­über­ge­weht kam. „bel­lo, bel­lo impos­si­bi­le“, unge­fähr ‚der unmög­li­che Hund‘, wir Süd­ti­ro­ler Kat­zen nehmen’s mit dem Ita­lie­nisch nicht so genau. Aber wenn der Rhyth­mus den Fuß in Bewe­gung setzt, damit fängt die Kat­zen­mu­sik an. Ich hab’s deut­lich gese­hen, mehr gespürt, weil ich dane­ben lag und schnurr­te, müde und zufrie­den. Was man so erlebt mit dem Ratz­in­ger im Urlaub. So lecke­re Brat­würs­te wie die aus Bam­berg hab ich im Leben noch nicht gefres­sen.

Drin­nen im Haus hat er dann spä­ter noch ein­hän­dig Kla­vier gespielt. Meis­tens spielt er Mozart, und wenn er spielt, dür­fen wir vor dem offe­nen Deckel sit­zen und zuhö­ren. Ein­hän­dig, das klang etwas schräg und wäre Sara bei­na­he zum Ver­häng­nis gewor­den, weil sie so unge­schickt war. Hat mit dem Schwanz gewe­delt und das Gleich­ge­wicht ver­lo­ren und ist in den Kas­ten hin­ein­ge­fal­len, das gab einen Kat­zen­jam­mer! Der Ratz­in­ger hat den Ver­lust erst gar nicht bemerkt, erst als das Fis so komisch quietsch­te, ist er auf­ge­stan­den, hat nach dem Fis geschaut, hat nach Sara geschaut und „Gott erbarm‘!“ geru­fen.

Kat­zen mögen Kat­zen­mu­sik, da ist auch ein ver­stimm­tes Kla­vier kein Unglück und auch kein ein­hän­di­ger Spie­ler. Als Papst ist der Ratz­in­ger manch­mal ja auch nur ein Mensch. Er trägt nur wei­ße Klei­dung, selbst im Urlaub, wir haben es selbst gese­hen – wie man­che Künst­ler auch, Yogi, Gurus, die Far­be weiß macht ihnen gute Lau­ne. Meis­tens hat der Papst nicht viel zu lachen. Sche­re­rei­en hat er mit uns weni­ger als mit euch. Ehr­lich, ohne Kat­zen­mu­sik wäre es bei den Men­schen gar nicht zu ertra­gen. Aber die gibt’s ja auf den Dächern. Noch zwei Tage Urlaub, und wir dür­fen mit nach Rom!

Schaut euch eine Kat­ze an, eine ganz gewöhn­li­che Kat­ze, ob sie spielt, ob sie jagt oder ob sie schläft, wenn sie euch erbarmt, ver­steht ihr euren Papst.

Tho­mas Wer­ner

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